Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Stadtverband Bad Vilbel / Karben e. V.

Unterwegs auf dem Alpe-Adria-Radweg

Unterwegs auf dem Alpe-Adria-Radweg © Christian Martens

München – Venedig? Ja, das klingt gut!

Juni 2017. Matthias Marcks‘ Bericht von seiner Reise mit dem Fahrrad nach Venedig hatte mich angefixt. Als dann ein Freund die Idee äußerte, die Strecke München – Venedig zu radeln, ließ mich der Gedanke nicht mehr los, ihn dabei zu begleiten.

Er als Lehrer in Bayern ist an die dortigen Schulferien gebunden. Damit man mich zu Hause nicht allzu sehr vermissen würde, suchten wir einen Zeitraum, in dem hier in Hessen der normale Alltag anstehen würde. Wir einigten uns recht schnell auf die bayerischen Pfingstferien, die Schulkinder in Hessen nicht kennen. Ansonsten war nicht viel zu planen, verbindet doch seit 2015 ein neuer Fernradweg von gut 560 Kilometern Länge und 3000 Höhenmetern die beiden Städte. Etappen wollten wir auch nicht festlegen, sondern Tag für Tag je nach Wetterlage und körperlichem Befinden beschließen, wo wir nächtigen würden. Außerhalb der Hauptsaison sollte das unproblematisch sein.

Leider ließ sich der Freund nicht auf meinen Wunsch ein, für den Rückweg anstelle der Bahn den 2012 eröffneten 410 Kilometer langen Alpe-Adria-Radweg zu nehmen. Den zweiten Teil unserer Reise würde ich also alleine zurücklegen.

Am Pfingstmontag geht es also nach Eching nördlich von München, wo wir am Dienstag gemeinsam starten wollen. Der Wetterbericht drückt am Abend auf die Stimmung, kündigt er doch den Dienstag, vor allem nachmittags, als eher regnerisch an. Aber nach so viel Vorfreude ist unsere innere Unruhe zu groß, als dass wir den Start nochmals hinausschieben würden. Deshalb beschließen wir, früh loszufahren und zu schauen, wie weit wir kommen werden. Bad Tölz, so die Hoffnung, ließe sich vielleicht doch noch trocken erreichen.

Tag 1

Gesagt, getan. Am Dienstagmorgen um 6:30 Uhr sind wir startklar. Der Himmel ist reichlich grau, aber es ist immerhin trocken von oben. Beim Binden der Radschuhe reißt dann aber erst mal ein Schnürsenkel. Das geht ja gut los! Aber, um es vorwegzunehmen: Es bleibt das einzige Materialversagen während des gesamten Urlaubs.

Immer dann, wenn man denkt, man sei früh dran, wird man eines Besseren belehrt: Am nahegelegenen Baggersee, bei Kilometer 1, beobachten wir einen Schwimmer, der gerade aus dem kühlen Nass steigt. Wir sind versucht, es ihm gleichzutun, aber die Wetterprognose treibt uns erst mal weiter gen Süden.

Durch München geht es entlang der Isar und durch den Englischen Garten. So früh am Morgen teilen wir die Strecke mit vielen Berufspendlern und Joggern. Hinter München halten wir uns zunächst nicht an die ausgeschilderte Strecke, sondern wählen einen direkteren Verlauf auf Nebenstraßen. Die offizielle Strecke sei weitgehend geschottert, so mein an dieser Stelle noch ortskundiger Begleiter.

Der Himmel bleibt im Westen grau, Richtung Osten zeigen sich gelegentlich kleine blaue Löcher, während wir zügig und trocken vorankommen. Am Sylvensteinstausee rasten wir zum ersten Mal. Wir sind ja schon weiter als erhofft. Ein Blick aufs Regenradar zeigt, dass das Regengebiet hinter uns durchzieht. Da hat sich der frühe Start auf jeden Fall gelohnt.

Weiter geht es zum Achensee, aber angesichts des trüben Himmels verkneifen wir uns auch dort ein Bad. Es wirkt alles sehr touristisch, aber zum Verweilen fehlen doch ein paar Sonnenstrahlen.

Kurz vor der Abfahrt ins Inntal erwischt uns dann doch noch der Regen. Bis Schwaz aber, durch Silberbergbau einst ein großes Wirtschaftszentrum und auch Wohnsitz der Fugger, wollen wir auch bei Nässe noch kommen – so zumindest der neue Plan. Das aufklarende Wetter und ein kräftiger Mitwind im Inntal sorgen dafür, dass wir letztlich erst in der Salz- und Münzstadt Hall auf Quartiersuche gehen und dort die längste Etappe der Reise im Straßencafé auf dem Marktplatz bei Sonnenschein und Topfenstrudel beenden. Das heftige Gewitter am Abend kann uns schon nichts mehr anhaben. Da sitzen wir bereits beim Abendessen und stärken uns für den Brenner, der am nächsten Tag auf uns wartet.

Tag 2

Am nächsten Morgen beim Frühstück überrascht uns der Blick aus dem Fenster: Das Unwetter am Vorabend hat die Bergspitzen ringsum bepudert. Jetzt aber zeigt sich das Wetter freundlich und angenehm temperiert.

Ein paar Wolken sorgen dafür, dass der erste heftige Anstieg bis Patsch nicht allzu schweißtreibend wird. Die Alpengipfel ringsum werden langsam höher, die Brenner-Autobahn hält sich in akzeptabler Distanz auf unserem Weg zum Brennerpass. Die Nebenstraße auf halber Höhe hat so einige Extrahöhenmeter für uns parat, dafür ist der Verkehr sehr gering. Nur für den letzten Anstieg werden wir auf die Bundesstraße geleitet.

Die Shoppingmeile am Brennerpass ignorieren wir und gehen gleich zur Abfahrt über. Italien begrüßt uns mit heißem und sonnigem Wetter. Kurz nach der Grenze schwenkt der Radweg auf eine ehemalige Bahntrasse, und so rollen wir mit viel Schwung in Richtung Sterzing, wo wir ein schattiges Plätzchen zum Rasten finden. Kurz vor Brixen verlassen wir das Eisacktal und biegen nach Osten ins Pustertal ab. Gerade rechtzeitig vor einem Schauer erreichen wir Bruneck, wo wir uns einquartieren.

Nach dem Duschen scheint schon wieder die Sonne und wir genießen das Flair der Altstadt.

Tag 3

Der Morgen des dritten Tags meiner Radreise ist angebrochen. Beim Frühstück stellen wir fest, dass das gesamte Hotel voller Radurlauber ist. Die meisten davon sind in einer Gruppe mit Gepäcktransfer unterwegs. Ein Rennradfahrer aus Stralsund erzählt uns, dass er von Wien nach Marseille unterwegs ist – und wirft damit die Frage auf, warum eine Alpenüberquerung immer in Nord-Süd-Richtung verstanden wird.

Wir lassen uns davon aber nicht beirren und starten Richtung Toblach zum Anfangspunkt des Dolomitenradwegs. Auch dieser Radweg verläuft spektakulär auf einer ehemaligen Bahntrasse, die im Ersten Weltkrieg aus militärischen Gründen erbaut wurde. Eine elektronische Zählstelle zu Beginn verrät, dass in diesem Jahr bis heute gut 7.200 Radler diese Stelle passiert haben – was mir angesichts der tollen Strecke und all der Radler, die wir sehen, doch wenig vorkommt.

Der Toblacher See ist uns zu kalt zum Baden, und so bleibt es leider bei dem schönen Anblick des türkisblauen Wassers mit Dolomitenpanorama. Weiter geht es vorbei am Dreizinnenblick und durch den mondänen Ort Cortina d’Ampezzo, 1956 Austragungsort der Olympischen Winterspiele. Ab hier wechselt der Belag des Bahntrassenradwegs von Schotter zu Asphalt. Umso flotter erreichen wir Tai di Cadore, wo uns der erste Fahrradwegweiser nach Venedig begegnet. Noch 186 Kilometer, verkündet er. Ein Straßenschild offenbart, dass uns Radlern ein paar Extraschleifen zugedacht sind, denn für Autos beträgt die Strecke 50 Kilometer weniger.

Auf der sich anschließenden stillgelegten, perfekt ausgebauten Staatsstraße geht es weiter zügig bergab, und so entschließen wir uns, bis Belluno durchzuradeln und damit den Fahrradtag weiter südlich als ursprünglich geplant zu beenden. Belluno gehörte jahrhundertelang zu Venedig. So ist es nicht verwunderlich, dass es durch zahlreiche Palazzi an Venedig erinnert. Wir sind äußerst positiv überrascht vom Stadtbild Bellunos. Als wir etwas ratlos vor der bereits geschlossenen Touri-Info stehen, gibt uns ein hilfsbereites deutsches Paar spontan kund, wo es sich einquartiert hat. Schnell ist die Hotelsuche damit beendet und wir genießen den Abend.

Tag 4

Belluno liegt etwas abseits der offiziellen Radroute und so geht es am nächsten Morgen erst mal auf einer stärker befahrenen Straße ein Stück zurück. Bald taucht der Lago di Santa Croce auf, der mit angenehmer Wassertemperatur und bei Sonnenschein zum Baden einlädt. Nun endlich ist die Zeit für den ersten Badestopp auf unserer Tour gekommen.

Der weitere Streckenverlauf sollte nun stetig bergab führen, so denken wir. Aber nein, die Streckenplaner hatten anderes im Sinne. Deshalb werden wir immer wieder zu Stellen mit schöner Aussicht geführt, die wir genießen, sobald kein Schweiß mehr in die Augen rinnt.

Streckenweise der Strada del Prosecco folgend erreichen wir Treviso.

Auch diese Stadt überrascht. Es ist Freitagabend, sie ist voller Jugend in Partylaune, der Baustil venezianisch, ein paar Kanäle durchfließen die Altstadt. Die Jugendlichen fahren fast ausnahmslos stylische Singlespeeds. Leihräder unterstreichen, dass hier auch im Alltag Rad gefahren wird.

Unser B&B-Zimmer hat eine eigene Dachterrasse, und so können wir stilvoll den letzten gemeinsamen Abend verbringen und auf vier tolle Radeltage zurückblicken.

Tag 5

Am Morgen des fünften Tags meiner Radreise geht es lange am Flüsschen Sile entlang. Die Strecke erinnert zum Teil an eine Route der Industriekultur, reiht sie doch etliche Relikte ehemals blühender Wirtschaftsbetriebe aneinander. Im ehemaligen Hafen von Casier verrotten alte Holzkähne. Auf den letzten 20 Kilometern vor Venedig weisen Schilder wiederholt darauf hin, dass die Strecke am folgenden Tag wegen eines Triathlons gesperrt ist. Glück gehabt! Wir kommen auf der ausgeschilderten Strecke wie geplant fast ohne Verkehr bis Mestre. Venedig selbst, fahrradunfreundlicher als Wiesbaden, schenke ich mir, und so trennen sich am Bahnhof unsere Wege.

Während sich mein Mitreisender noch einen vollen Tag lang in Venedig aufhalten wird, bevor es für ihn per Zug zurück nach München geht, nehme ich den Regionalzug Richtung Triest. Eine Station vor meinem geplanten Zielbahnhof wird die Fahrt wegen eines Böschungsbrands auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Es stellt sich die Frage: Warten oder aussteigen und radeln? Ich entscheide mich fürs Radeln und werde gemäß Murphys Gesetz später von meinem Zug überholt. Na, immerhin hatte der Schaffner großzügig darüber hinweggesehen, dass ich am italienischen Fahrkartenautomaten mangels Sprachkenntnis keine Radkarte gelöst hatte.

In Cervignano del Friuli treffe ich auf den Alpe-Adria-Radweg, der von Salzburg nach Grado führt. Salzburg liegt in nördlicher Richtung, aber erst mal wende ich mich gen Süden, um in Grado wenigstens einmal kurz ins Mittelmeer zu hüpfen. Während ich nach Grado unterwegs bin, treffe ich vier Rennradler aus Würzburg, die von Salzburg kommen und ebenfalls gen Mittelmeer streben. Sie haben die Schotterabschnitte des Alpe-Adria-Radwegs umfahren und deshalb deutlich mehr Kilometer und Höhenmeter hinter sich, als die ausgeschilderte Strecke es vermuten ließe. Zum Glück muss ich mir mit meinem Trekkingrad wegen des Schotters keine Sorgen machen.

Nach einem wenig erfrischenden Bad und einem Großeinkauf für den Sonntag wende ich mich endgültig nach Norden und erreiche an diesem Tag noch Udine. Die Stadt ist rappelvoll, aber dennoch finde ich zum Glück recht schnell ein Zimmer für die Nacht. Bei genauerem Hinsehen stelle ich fest, dass in der Stadt eine Mischung aus Demonstration und Festival von Schwulen und Lesben im Gange ist. Für kurze Zeit lasse ich mich auf das bunte Treiben ein, bevor ich mich nach zwei Flachetappen für den morgigen Wiedereinstieg in die Alpen ausruhe.

Tag 6

Am Sonntagmorgen verlasse ich Udine durch ein Naherholungsgebiet, in dem schon reichlich Freizeitsportler zugange sind. An der Dacia Arena, dem Fußballstadion Udines, komme ich auch vorbei, bevor mir die Wegeführung zu bunt bzw. überambitioniert wird und ich zum zügigen Vorwärtskommen ohne Schotter auf die Bundesstraße ausweiche. Bei Gemona wechsle ich wieder auf die offizielle Route, die auf einer netten Nebenstraße parallel zum breiten Kiesbett des Flusses (il Fiume) Tagliamento verläuft. Es könnte so ruhig sein, wären da nicht die zig Motocross-Motorräder, die das ausgetrocknete Flussbett als ideale Herausforderung empfinden. Ein paar Kilometer weiter häufen sich die Kollegen von der Rennmotorrad-Fraktion auf der nahen Straße.

In Carnia beginnt die Neubaustrecke der Eisenbahn. Bis hinter Tarvisio wird sie fast ausschließlich im Tunnel geführt und durch sie wurde die ursprüngliche Trasse überflüssig. Von Carnia bis zum etwa sechs Kilometer entfernten Moggio Udinese steht der Umbau zum Bahntrassenradweg noch aus. Dann aber geht es spektakulär mit kurzen Unterbrechungen rund 40 Kilometer weit auf der alten Trasse stetig bergauf. Immerhin 500 Höhenmeter sind auf diesem Abschnitt zu bewältigen. Brücken und Tunnels wechseln einander ab. Viele Italiener nutzen die Strecke für einen Sonntagsausflug, ich scheine aber fast der Einzige zu sein, der bergauf pedaliert.

In Tarvisio suche ich erneut Quartier. Im Vergleich mit Udine und Treviso empfinde ich Tarvisio als regelrecht ausgestorben. Womöglich bin ich in einem Wintersportort gelandet.

Tag 7

Zu spät habe ich am Vorabend in Tarvisio erfahren, dass ich ein Zimmer ohne Frühstück erwischt habe. Dafür nutze ich jetzt, am siebten Tag der Radreise, die Chance, früher als sonst zu starten und die angenehme Kühle des jungen Tages zu erleben, während ich bereits im Sattel sitze.

Abweichend von der Hauptroute setze ich mich erst mal nach Slowenien ab. In dem schönen Tal Richtung Jesenice versteckt sich ebenfalls ein Bahntrassenradweg mit herrlichem Bergpanoramablick auf die Julischen Alpen. Über den Wurzenpass geht es Richtung Villach und damit wieder auf den Alpe-Adria-Radweg.

Am Passeinstieg treffe ich ein Radlerpaar. Ich identifiziere die beiden als Schweizer, da sie an ihrem Velo aus Nostalgie ein altes Alu-Nummernschild montiert haben, so wie es bis 1989 in der Schweiz üblich war. Angeregt unterhalten wir uns, weil es viel auszutauschen gibt und so ein Plausch den Anstieg leichter macht. Dummerweise ist plötzlich die slowenische Polizei hinter uns und hat wenig Verständnis dafür. Bei allen Sprachbarrieren zeigen wir uns einsichtig und verlieren uns bis zur Passhöhe aus den Augen.

Auf der Passhöhe verläuft die Grenze zwischen Slowenien und Österreich. Ich bin zurück im Land des Topfenstrudels. Die Abfahrt wird extrem anspruchsvoll: 18 Prozent Gefälle, schlechter Asphalt und in der Ausbremsstrecke der Serpentine für Notfälle steht auch noch widerrechtlich ein Holztransporter. Ich komme heil unten an.
Den restlichen Tag geht es entlang der Flüsse Gail und Drau gemächlicher zu. In Villach entdecke ich eine Angelstelle für Rollstuhlfahrer, in Spittal begegnet mir ein alter Bus der Österreichischen Bundesbahnen mit deutschem H-Kennzeichen – ein Linienbus als Oldtimer-Schätzchen. Jedem das Seine. Im Tal ist es wieder drückend heiß und so muss noch ein Sprung in den Möllstausee für eine Erfrischung sorgen, bevor ich in Obervellach die Tagesetappe beende. Auch dort scheint die touristische Blüte gewelkt zu sein, zu schlafen und zu essen finde ich aber was.

Tag 8

Der zweite Dienstag meiner Reise ist angebrochen. Morgens beim Frühstück lese ich in der Zeitung von schweren Unwettern über Klagenfurt. Da bin ich doch in Villach in die richtige Richtung abgebogen.

Heute steht die anspruchsvollste Etappe auf dem Programm, die erneute Querung des Alpenhauptkamms. Zulasten der Tauernschleuse per Bahn habe ich mich für die Großglockner-Hochalpenstraße entschieden, die ich schon vor längerer Zeit einmal auf meinem Wunschzettel notiert habe – und die wegen schlechten Wetters darauf verblieben ist. Diesmal könnte ich, wollte ich mich über das Wetter beschweren, nur „zu sonnig“ und „zu heiß“ anbringen.

Bis kurz vor Heiligenblut lässt sich alles noch locker an, dann aber ist der kleinste Gang über Stunden der einzig nutzbare. Irgendwann ist dann doch das Hochtörl erreicht, mit 2.504 Metern der mit Abstand höchste Punkt auf der gesamten Tour. Aber auch hier oben herrscht mit 16 °C noch immer eine milde Temperatur, und so ist eine Erkältung trotz des schweißnassen Trikots nicht zu befürchten. Auch die für die folgende rasante Abfahrt eingesteckten Winterhandschuhe muss ich nicht in den Tiefen der Packtasche suchen.

Anders als auf den Pässen der französischen Alpen sind hier kaum Radfahrer unterwegs – dafür Motorräder, Sportwagen und Oldtimer aller Couleur. Die Kulisse ist traumhaft. Der Großglockner und die übrigen Gipfel zeigen sich weiß verschneit vor strahlend blauem Himmel. Die Abfahrt ist wunderbar zu fahren. Knapp 2.000 Höhenmeter sind auf der Habenseite. Da geht was.

In Bruck lese ich auf einem Plakat, dass in zwei Tagen der Glocknerman stattfinden soll, ein Radrennen der Extraklasse über 1.000 Kilometer mit zweimaliger Passage der gerade absolvierten Wegstrecke. (Wie ich später erfahren soll, brauchte der Sieger dieses Jahres dafür gut 38 Stunden.) Da lasse ich mich lieber erschöpft im Zug nieder. Das Salzachtal ist mit Autobahn, Eisenbahn und Bundesstraße so ausgefüllt, dass ich mir den Radweg nicht als besonders attraktiv vorstellen kann. Vielleicht tue ich ihm Unrecht.

Kurz vor Salzburg suche ich mir in dem schmucken Örtchen Hallein ein Zimmer, um am nächsten Morgen doch noch ein Stück Salzachtal unter die Räder zu nehmen.

Tag 9

Da ich ein Handwerkerhotel erwischt habe, in dem ab 6:30 Uhr Frühstück angeboten wird, bin ich – wie schon in München, am ersten Tag meiner Radreise – in der Frühe mit den Berufspendlern unterwegs. Salzburg selbst ist sehr fahrrradaffin, so mein Eindruck. Auf den Radwegen ist es richtig busy. Neben Sightseeing in der Mozartstadt will ich an meinem letzten Reisetag noch den Salzkammergut-Radweg bis zum Wolfgangsee entdecken.

Das Landschaftsbild ist ein vollkommener Kontrast zu dem des Vortags. Wiesen, Seen und Berge mit Gipfelhöhen unterhalb der Baumgrenze dominieren. Zwei Tage vor dem Tod des berühmtesten deutschen Urlaubsgasts der Region, unseres Einheitskanzlers, mache ich noch ein paar Schwimmzüge im Wolfgangsee. Von dort geht es dieselbe Strecke zurück nach Salzburg und von dort weiter mit der Bahn bis Eching, wo ich abends von meinen Erlebnissen an den Tagen als Alleinreisender berichten kann.

Tag 10

Es ist Donnerstag, der 15. Juni 2017. In neun Tagen im Sattel sind gut 1.200 Kilometer zusammengekommen. Nach einer kurzen Nacht setze ich mich frühmorgens ins Auto, um endgültig heimzureisen. Aber nein, da war ja noch was: Ein Abstecher zum Baggersee muss noch sein. Im Frühnebel wirkt das Konzert der Vögel besonders laut. Während ich mich nach dem Bad wieder umziehe, sehe ich weit und breit keinen einzigen Radreisenden. Vielleicht schlafen sie heute noch.

Christian Martens

Verwandte Themen

Achtung, Baustelle! Nidda-Radweg gesperrt

Gedanken eines baustellenerprobten Nidda-Radweg-Pendlers

November 2025. Lange hatten wir darauf gewartet: Zeitgleich zum Erscheinen der Dezember-Ausgabe der FRANKFURT aktuell…

Wer auf dem GrünGürtel-Weg radelnd oder per pedes unterwegs nach Bergen ist, muss hier die stark befahrene B 521 überqueren – und sich gezwungenermaßen in Gefahr begeben.

Straßenbegleitender Radweg von Bad Vilbel nach Bergen-Enkheim

November 2025. Ein direkter, komfortabler und sicherer Radweg zwischen Bad Vilbel und Frankfurts Stadtteil Bergen fehlt…

Verkehrsquiz-Frage

Die Regeln im Straßenverkehr. Wie gut kennst Du Dich aus?

Teste Dein Wissen in Sachen Verkehrsregeln! Wer mit dem Fahrrad im öffentlichen Verkehrsraum unterwegs ist, ist Gefahren…

ADFC Kampagnenschilder mit dem Titel "Ich bin Teil der Radvolution"

Unsere Aktivitäten und Service-Angebote

Feste Punkte in unserem Veranstaltungskalender sind unsere geführten Radtouren sowie unser Angebot der Codierung von…

Die Ergebnisse des STADTRADELNS für Bad Vilbel

Kleine Ode an den Morgen – Impressionen vom STADTRADELN 2025

Oktober 2025. Von Bad Vilbel die Nidda abwärts – das ist schon seit vielen Jahren mein geliebter und geschätzter…

Symbolbild, Sicherer Schulweg gewünscht

Mehr Engagement und neue Ideen für sichere Schulwege in Bad Vilbel

September 2025. Für viele Kinder ist der tägliche Schulweg mit Risiken im Straßenverkehr verbunden.

Radschnellverbindung, markiert mit Zeichen 350.1 laut StVO – hier ein Beispiel am Neckar vor Heilbronn

Radverkehrskonzept Bad Vilbel und Radschnellweg FRM 6

September 2025. Das große Engagement aller an der Fortschreibung des Radverkehrskonzepts für Bad Vilbel Beteiligten wird…

Symbolbild Newsletter

Unser Newsletter

In unserem elektronischen Newsletter, der in unregelmäßiger Folge rund 15-mal im Jahr erscheint, berichten wir über…

und Walter Baumann vom ADFC setzen sich für einen sicheren Radverkehr ein

ADFC sieht in Bad Vilbel Handlungsbedarf

Januar 2025. Der ADFC Bad Vilbel / Karben sieht in der Quellenstadt, insbesondere auf der Friedberger Straße, dringenden…

https://badvilbel-karben.adfc.de/artikel/muenchen-venedig-ja-das-klingt-gut

Bleiben Sie in Kontakt