
Einstieg in den Bahntrassenradweg in Neustadt an der Waldnaab © Torsten Schwarz
Bahntrassenradeln in Ostbayern
September 2012. Radwege auf ehemaligen Bahntrassen üben eine große Faszination auf mich aus. Mittlerweile hat Achim Bartoschek die Zahl der Empfehlungen von Top-Bahntrassenwegen auf bundesweit 22 angehoben.
Wenn man sich die geografische Lage dieser 22 Strecken genauer anschaut, so findet man drei Schwerpunktregionen: Osthessen, Eifel/Hunsrück/Westpfalz und Oberpfalz/Niederbayern. Immerhin 15 der 22 empfohlenen Strecken lassen sich diesen drei Regionen zuordnen. So kitzelte es mich schon länger, auch einmal durch das mir noch weitgehend unbekannte Ostbayern zu touren.
Ende August war es endlich soweit. Fünf dieser Empfehlungen und fünf weitere Bahntrassenradwege habe ich zu einer Gesamtlänge von rund 350 km zusammengestellt. Neun davon verlaufen weitgehend auf der ehemaligen Trasse und überraschen nicht mit plötzlichen Schikanen und Steigungen, weil eine Brücke fehlen würde oder Ähnliches, bieten also genau diesen Vorzug sehr gemächlicher Steigungen und Gefälle.
Eine Ausnahme ist die Strecke ab Obernzell hinter Passau: Hier verlässt man das Donautal auf einer ehemaligen Zahnradstrecke, um mit bis zu 7 Prozent Steigung hinauf in den Bayerischen Wald zu klettern, so viel wie unser „Heartbreak Hill“ in Bad Vilbel. Ansonsten lassen einen die verbindenden Stücke auf konventionellen Radwegen oder Straßen schnell merken, dass man eigentlich im Mittelgebirge unterwegs ist. Ein detailliertes Reisetagebuch möchte ich an dieser Stelle gar nicht liefern, nur ein paar Eindrücke und Anmerkungen.
Die Route „fünf plus fünf“ setzt sich folgendermaßen zusammen: BY4.07 • BY4.08 (Karte 11) BY 4.11 • BY 7.08 • BY 7.09 • BY 7.07 • BY 7.06 • BY 7.04 • BY 7.02 • BY 7.01 (Karte 12) Wegbeschreibungen und Karten sind auf www.banhtrassenradeln.de denkbar einfach zugänglich. |
Genial ist der Einstieg in den Bocklradweg in Neustadt an der Waldnaab für Bahnreisende: Man verlässt den Bahnsteig, quert eine Straße und pedaliert los. Grandios ist auch die Isarbrücke in Landau an der Isar. Radwege über hohe Viadukte habe ich schon erlebt, aber eine Brücke dieser Größenordnung noch nicht. Ansonsten haben es die Eisenbahn-Ingenieure in der Region seinerzeit verstanden, die Strecken kostengünstig ohne aufwendige Tunnel und Viadukte zu führen.
Aber auch ohne diese Gimmicks sind die Strecken landschaftlich sehr reizvoll und abwechslungsreich. Wer von den osthessischen Strecken verwöhnt ist, dem fällt auf, dass ein Großteil der bayerischen Wege nicht asphaltiert ist. Es rollt sich dadurch einfach nicht ganz so schön und leise. Nichtsdestoweniger kann ich die Region nur empfehlen und werde bei Gelegenheit, vielleicht zu einer anderen Jahreszeit, die Runde in gleicher oder ähnlicher Form wiederholen.
Christian Martens










