
Kasseler Straße – Baustelle, Radweg Ende © ADFC Bad Vilbel / Karben
Fahrradklima: In Bad Vilbel drastisch verschlechtert
15. Mai 2023. Bad Vilbel ist in der Gunst von Radlerinnen und Radlern abgestürzt. Das ist das Ergebnis des nunmehr zehnten bundesweiten ADFC-Fahrradklima-Tests, der mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums alle zwei Jahre durchgeführt wird.
In Bad Vilbel haben 279 Bürgerinnen und Bürger an der Erhebung teilgenommen. Unter den 447 in die Wertung einbezogenen Städten mittlerer Größe belegt Bad Vilbel mit einer Note von knapp besser als ausreichend lediglich Rang 193. Zum Vergleich: Die beste Note im Kreis der Städte gleicher Größenklasse erzielte Baunatal mit einem Wert von 2,5.
Im Jahr 2020 war die Fahrradfreundlichkeit Bad Vilbels noch um fast eine halbe Note besser bewertet worden. Damals landete Bad Vilbel auf Rang 55. Somit gehört Bad Vilbel zu den 26 vergleichbar großen Städten, in denen sich das Fahrradklima am stärksten verschlechtert hat. In manchen Bereichen ist das Bewertungsniveau sogar noch unter dasjenige von 2018 gerutscht, beispielsweise was die Sicherheit bei Fahrten im Mischvekehr betrifft.
Zweifellos spielt die intensive Bautätigkeit in Bad Vilbel für die missliche Situation der Radelnden im allgemeinen Straßenverkehr eine wichtige Rolle. Den Absturz jedoch allein damit zu erklären, wäre zu kurz gedacht – waren doch bereits in den beiden vorhergehenden Umfragen in den Jahren 2018 und 2020 die diesbzüglichen Urteile hochgradig unbefriedigend. Dass noch viele weitere Faktoren eine Rolle spielen, zeigen auch die Ergebnisse im Einzelnen: So nennen die Befragten deutlich häufiger Konflikte mit dem Pkw-Verkehr, kritisieren die mangelnde Kontrolle von Falschparkenden und sehen sich als Verkehrsteilnehmende nicht akzeptiert. Das Sicherheitsgefühl der Radelnden hat sich deutlich verschlechtert. Gemeinsame Fuß- und Radwege rufen vermehrt Konflikte auch mit zu Fuß Gehenden hervor.
Die Stadtverwaltung Bad Vilbels hat nach eigenem Bekunden viel für den Radverkehr getan. Unter den 139 abgegebenen Freitextkommentaren finden sich demgegenüber nur drei mit lobenden Worten für Bad Vilbel. Wer das Fahrrad primär in der Freizeit nutzt, ist eher mit der Situation zufrieden als jemand, der es als alltägliches Verkehrsmittel für den Arbeits- oder Schulweg einsetzt. Die Kommentare verweisen auf den Flickenteppich der Radwege, auf unklare und uneinheitliche Verkehrsführungen, fehlende oder unvermittelt endende Radstreifen und zugeparkte Fuß- und Radwege. Die Verkehrsführung im Umfeld von Baustellen nehmen viele Radelnde als konzeptionslos wahr und sehen gerade darin in Bad Vilbel eine Vernachlässigung ihrer Bedürfnisse gegenüber dem Autoverkehr.
Die massive Verschlechterung der Bewertung der Verkehrssituation aus der Sicht der Radfahrenden zeigt, wie weit Bad Vilbel von einer fahrradfreundlichen Stadt noch immer entfernt ist. In unserer Website haben wir im vergangenen Jahr den VilRadMonitor eingerichtet. Dessen Zweck ist es, Schwachstellen im Radverkehr systematisch zu dokumentieren, um im Anschluss deren Beseitigung zu initiieren. Wir wünschen uns, dass die Stadt diese empirische Grundlage energisch aufgreift und in ihrer Verkehrspolitik dem umweltfreundlichen Radverkehr eine deutlich höhere Priorität einräumt.
Theo Sorg, Ute Gräber-Seißinger









