
Das Wunder 2020, Blickrichtung Bad Vilbel–Dortelweil © Christian Martens
Das Wunder vom Pappelweg
1. Januar 2021. Elektronische Archive geraten an ihre Grenzen, wenn es darum geht herauszufinden, seit wann es die Forderung nach einem fahrradfreundlichen Ausbau des sogenannten Pappelwegs bereits gibt.
Doch nun ein Quantensprung für den Radverkehr zwischen Bad Vilbel und Karben. Die Verbindung zwischen Alt-Dortelweil und dem Industriegebiet Karben ist endlich ausgebaut. Der Ausbau wurde in der Vergangenheit stets durch das Argument blockiert, dass dann Auto-Schleichverkehr nicht zu verhindern sei.
In den 1980er Jahren wurde auf Betreiben eines Landwirts eine Schranke als Gegenmaßnahme gerichtlich untersagt. Und so blieb es jahrzehntelang bei einem Zustand, der durch Schlaglöcher und Matsch nach Regen nur Hardcore-Radelnde nicht davon abhielt, diese direkte Verbindung zu nutzen. Die Bezeichnung des Wegezustands als „schlecht“ hätte noch als Euphemismus durchgehen können.
Bewegung kam 2014 in die Sache, als die Idee der „Kurzen Wetterau“ geboren wurde, einer Radverbindung zwischen Butzbach und Bad Vilbel, die vor allem das vorhandene Wegenetz an der Nidda so ergänzen soll, dass möglichst direkt geradelt werden kann. Und ja: Ein kurzer Blick auf eine Karte lässt sofort erkennen, dass der Schwenk der Nidda über Gronau dieser Direktheit widerspricht.
Im Jahr darauf, 2015, überraschte die Stadt Karben mit dem Ausbau ihres – allerdings sehr kurzen – Teilstücks, das insofern für den Radverkehr noch keinen deutlichen Qualitätsgewinn brachte. Auffallend war ein Schild, das an der Gemarkungsgrenze postiert wurde – mit der netten Aufschrift „Auf Wiedersehen in Karben“. Das hatte für mich schon den Unterton von „Sie verlassen den amerikanischen Sektor.“, eine leichte Provokation in Richtung Nachbarstadt Bad Vilbel.
Der Ausbau des Bad Vilbeler Abschnitts wurde im Radverkehrskonzept der Stadt Bad Vilbel vom August 2017 festgehalten und dort sogar mit den Attributen „hohe Priorität“ und „kurzfristig“ bedacht. Die Hoffnung auf eine nachhaltige positive Veränderung wurde also wieder genährt.
Im Dezember 2019 stellte der Bad Vilbeler Verkehrsdezernent Sebastian Wysocki eine Umsetzung bis Ende 2020 in Aussicht, nachdem man sich geeinigt hatte, dass ein durch die Landwirte per Fernsteuerung versenkbarer Poller das Problem des drohenden Auto-Schleichverkehrs lösen soll. Und tatsächlich: Es wurde Wort gehalten. Kurz vor Weihnachten konnten die Fahrradreifen erstmal über den neuen Asphalt surren.
Die Strecke vom Alten Rathaus in Bad Vilbel bis zum Bürgerhaus in Karben ist durch den Ausbau des Pappelwegs gegenüber dem Niddaradweg um 3,4 Kilometer kürzer geworden, also etwa 10 bis 15 Minuten schneller. Sie misst nun nur noch 6 Kilometer und verläuft größtenteils abseits des Straßenverkehrs. Wäre die Fertigstellung nicht mitten im harten Lockdown erfolgt – und überdies zu einer Jahreszeit, die nicht gerade als Hochsaison für den Radverkehr gilt –, so wäre ein großer Festakt nach dieser Vorgeschichte sehr angemessen.
P.S.: Manche mögen sich über den Begriff „Pappelweg“ wundern. Bis Oktober 2012 wurde der Weg von mehr als 50 Pappeln gesäumt, die weithin sichtbar waren. Die Pappeln wurden gefällt, der Name blieb und wird wohl auch noch ein Weilchen fortbestehen.
Christian Martens










